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Die Schüler in Sande präsentieren aus dem Lesewerk "DIE BRÜCKE 4": |
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Franz Fühmann:
DAS JUDENAUTO |
NSDAP
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Sommer -31, ein kleines Dorf irgendwo in Deutschland. Die Zeiten sind schlecht, viele haben große ökonomische Schwierigkeiten. Hitler und seine Partei, die NSDAP, haben schon ihre Propaganda gegen besondere Gruppen angefangen, darunter die Juden. Die Hauptperson der Geschichte ist ein 9jähriger Junge, schüchtern und anonym in der Schule und unter Freunden, zu Hause ein passiver Zuhörer zu den Gesprächen der Erwachsenen, dass die Juden alle eine krumme Nase und schwarzes Haar haben, Schuld an allem Schlechten in der Welt seien, und die Krise gemacht haben, die seines Vaters Drogenhandlung abzuwürgen droht. Eines Morgens erzählt Gudrun, das Klatschmaul der Klasse, das Gerücht vom Judenauto: ein gelbes Auto mit vier schwarzen Juden mit Messern schlachten deutsche Mädchen, um Blut für ihr Brot an den Feiertagen zu haben. Der Junge glaubt die Geschichte sofort, auch wenn der Lehrer sie ablehnt, denn hat er nicht von den Erwachsenen alles über die schlimmen Juden gehört? Es ist Sommer, das Klassenzimmer heiß, der Junge schläft mitten im Unterricht ein. Er träumt, er träumt die Geschichte vom Judenauto, wo er der Held ist, der das schöne Mädchen zwei Bänke vor ihm von den mörderischen Juden rettet wie ein Tom Shark, Idol der Jungen damals. Aber gerade als er das im Traum ohnmächtige Mädchen anfassen will, merkt er einen jähen Schmerz und hört seinen Namen ins Ohr dröhnen, der Lehrer reißt ihn aus dem Heldentraum mit der Bemerkung: "Glaubt der Kerl, die Bank sei ein Bett! Zwei Stunden Nachsitzen." Dies ist das erste Mal, wo der Junge vor den anderen gedemütigt wird, und Schuld daran, meint er, sind indirekt die Juden, obwohl er noch nie einen gesehen hat: sein unmotivierter Judenhass, der zu Hause einen milden Anfang bekommen hat, wird jetzt verstärkt Er hat Angst, nach dem Nachsitzen direkt nach Hause zu gehen, er macht einen Umweg und denkt eine Ausrede aus: er hätte dem Judenauto nachgeforscht! Mit sich selber und der Ausrede sehr zufrieden geht er über den Feldweg nach Hause und träumt wieder von dem Mädchen, in das er so verliebt ist. Er wird von den Farben, Duften und Geräuschen der Natur fast betäubt, aber die Beschreibungen zeigen immer wieder furchtbare Vergleichungen auf (Wespen brausen bös, der Mohn - ein sengendes Gift mit hitzigstem Rot, der Thymian sendet Wellen betäubenden Duftes u.s.w.), und wir ahnen was Schlimmes unter der Überfläche des schönen Sommernachmittages. Plötzlich sieht der Junge ein braunes Auto, das den Feldweg langsam herunterkommt. Ihm wird bange, er schaudert, ein zweiter Blick, und das Auto scheint mehr gelb als braun! Er versucht sich nichts anmerken zu lassen, aber wenn er eine Stimme, wie einen Peitschenschlag knallend, aus dem Auto hört, läuft er in voller Panik nach Hause. Jetzt hat er auch keine Schwierigkeiten mit dem Spätkommen den Eltern gegenüber! Am nächsten Morgen erzählt er die Geschichte in der Schule, alle stehen bewundernd und auch neidvoll um ihn und lauschen atemlos. Sogar der Lehrer weiß nicht ganz, ob er die Geschichte ablehnen soll. Alles was der Junge sich als Held wünscht, ist ein Blick der Bewunderung von dem schönen Mädchen. Dann dreht sie sich um, lächelt und erzählt, dass ihr Onkel gestern mit zwei Bekannten in einem braunen Auto den Feldweg hinabgefahren sei und einen Jungen in grünen Lederhosen nach dem Weg gefragt habe, und dies zur gleichen Zeit da der Junge das Judenauto gesehen haben wollte. Der Junge fängt an zu brüllen, sie spinne ja, es sei das Judenauto gewesen, aber hört nur das Kichern und Lachen der anderen. Er ist vor seiner großen Liebe zum zweiten Mal gedemütigt worden, und noch schlimmer: diesmal auch direkt von ihr! Er stürzt aus dem Klassenzimmer aufs Klosett. Hier lässt er seiner Verzweiflung freie Bahn und heult: Sie sind Schuld, sie, die Juden, Juden, Juden! Dass ein Kind nicht zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheidet und eine Mischung von den beiden als seine Wirklichkeit empfindet, ist ganz normal. In dem Alter des Jungen nehmen Kinder meistens alles, was von den Erwachsenen behauptet wird, ganz vorbehaltslos hin, und wenn sie obendrauf so gedemütigt werden vor den anderen, besonders vor denen, die ihnen wichtig sind und deren Respekt und Bewunderung sie gern hätten, dann entsteht ein mehr oder weniger unmotivierter Hass gegen den oder das, was die Person als Grund dazu finden. Und so ist aus einem unschuldigen Jungen durch die grundlosen Bemerkungen über Juden, die Sehnsucht der Liebe und die Gedemütigung der Mitschüler ein Antijudenfanatiker geworden, genau so wie es Hitler haben wollte.
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